Informatik und Wirtschaftsinformatik
Roboterstraßen, Autos, Flugzeuge, Handys – in all diesen Produkten steckt Informatik, und an der Produktion all dieser Güter arbeiten Informatiker mit. Die Informatik wurde an den Hochschulen mit dem Siegeszug des Computers eingerichtet. Leicht nachzuvollziehen ist, dass Informatiker viel mit Mathematik und Technik zu tun haben. Weniger bekannt dagegen ist, dass sie gut mit Menschen umgehen können müssen. Ein Informatikstudent lernt, komplexe Probleme zu durchdenken, sie in abstrakte Modelle zu übertragen und – oft in Teamarbeit – Lösungen zu entwerfen. Die muss er dann so gestalten und programmieren, dass der Computer tut, was er soll. Im Job haben Informatiker ständig mit Nichtinformatikern zu tun, die ihre Denkweise nicht verstehen, die aber oft die Aufgaben stellen. Informatiker müssen also erfassen, wo die Probleme liegen, sie in die Sprache der Informatik übersetzen und das Ergebnis zurückübersetzen. Mittlerweile hat die Informatik in viele Lebensbereiche Einzug gehalten. Nicht nur in Computern, sondern auch in Spülmaschinen, DVD-Playern und Medizingeräten stecken sogenannte eingebettete Systeme, embedded systems, die solche Geräte intelligent steuern. Wirtschaftsinformatiker befassen sich neben der Informatik gleichzeitig mit Betriebswirtschaft. Welche Daten müssen im Unternehmen gesammelt werden, und wer braucht sie an welcher Stelle? Das ist eine typische Fragestellung für Wirtschaftsinformatiker. Sie sorgen etwa dafür, dass die Einkaufsabteilung eines Küchenherstellers oder Automobilbauers genau die Materialien beschafft, die in der Produktion benötigt werden, um die Aufträge der Kunden termingerecht abzuarbeiten.
Wie ist das Studium aufgebaut?
Sowohl Informatiker als auch Wirtschaftsinformatiker sind Querschnittsdenker. Viele Softwareprogramme veralten schnell und sind oft schon nach drei bis fünf Jahren überholt. Deswegen ist es nicht sinnvoll, Studenten umfassend in einzelnen Betriebssystemen oder spezieller Software zu schulen. Lieber vermitteln die Hochschulen ihnen langlebige Konzepte und Methoden, die hinter Informatiksystemen oder Geschäftsabläufen stecken. Praxisnähe heißt demnach oft, die Studenten auf das Berufsleben vorzubereiten, indem sie gerade nicht passgenau für den ersten Job geschult werden, sondern dazu befähigt werden sollen, sich auch in 35 Jahren noch selbstständig in neue Software und Abläufe einzuarbeiten. Das lässt sich durchaus mit Praxisnähe verbinden.
Das Studium beginnt mit der Vermittlung von Grundwissen in den Bereichen Programmierung, Datenstrukturen und Algorithmen, Prozesse und Aufbau von Rechnersystemen. Dazu kommen Logik, Mathematik und auch ein Nebenfach. Das kann zum Beispiel BWL sein oder aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften stammen. In Übungen und Tutorien, bei denen ältere Studenten mit jüngeren den Stoff durchgehen, vertiefen die Studenten das Verständnis.
In den höheren Semestern des Bachelors stehen dann Datenbanken, Softwaretechnik sowie Kommunikation und verteilte Systeme auf dem Programm. Im Masterprogramm wird das Wissen vertieft, außerdem können Schwerpunkte gesetzt werden. Wirtschaftsinformatiker lernen zunächst die Grundlagen der drei Fächer BWL, Informatik und Wirtschaftsinformatik. Bei der Informatik geht es besonders um praktisches Wissen, also um Softwaretechnik, Programmiersprachen und den Aufbau von Datenbanken und weniger um die technischen Details. Hinzu kommen Mathematik und Rechtswissenschaft, schließlich sollten Wirtschaftsinformatiker sich auch mit Gesellschaftsformen wie der AG oder der GmbH auskennen. In den höheren Semestern vertiefen sie dann ihr Wissen um Geschäftsabläufe. Sie haben dabei stets komplette Prozesse wie Produktion, Logistik oder die Unternehmensführung im Blick. Dafür arbeiten sie sich weniger tief in Spezialbereiche der BWL und der Informatik ein.
Wirtschaftsinformatikstudenten sind Wanderer zwischen den Welten: Sie besuchen Veranstaltungen in der BWL und in der Informatik sowie solche, bei denen beide Fächer miteinander verzahnt sind. Gerade das Wissen um dieses Zusammenspiel macht die Stärke der Wirtschaftsinformatiker aus.
Eignung, Hürden, Irrtümer
Informatiker und Wirtschaftsinformatiker sollten Mathematik und Naturwissenschaften mögen, abstrakt denken und selbstständig arbeiten können. Sie müssen gleichzeitig in der Lage sein, gut mit Nichtinformatikern zu kommunizieren, und sollten gerne im Team arbeiten. Die Abbrecherquoten in der Informatik sind mit 40 bis 50 Prozent hoch. Aber selbst Abbrecher schafften es in Unternehmen nicht selten in mittlere Positionen.
Dranbleiben lohnt sich doppelt, auch wenn ein schneller Bachelorabschluss zum vorzeitigen Einstieg in die Arbeitswelt lockt: Wer bis zum Master durchhält, qualifiziert sich damit nicht nur für die Karriere an einer Universität, sondern auch für die großen Forschungsabteilungen in der Industrie oder für eine Führungsposition. Sowohl die Informatik als auch die Wirtschaftsinformatik werden immer internationaler: Ein Großteil der Fachliteratur ist in englischer Sprache verfasst. Zurzeit sind nur rund 15 Prozent der Informatikstudenten in Deutschland Frauen.
Berufsfelder
Informatiker sind überall zu finden: Ein Großteil geht in die Industrie – vor allem in kleine und mittlere Unternehmen – mit ihrem ständigen Bedarf, Abläufe zu optimieren und zu automatisieren, oder zu Unternehmensberatungen. Andere findet man in Banken und Versicherungen, einige im öffentlichen Dienst mit seinen riesigen Verwaltungssystemen. Informatiker arbeiten als Hard- und Softwareentwickler, Berater, aber auch in der Marktforschung und der Datensicherheit. Ständig kommen neue Aufgaben und Berufe dazu. Ein großer Teil der Arbeit in den Unternehmen besteht in der Verbesserung, Anpassung, Erweiterung und Vernetzung bereits existierender Systeme – völlige Neuentwicklungen sind die Ausnahme. Wirtschaftsinformatiker arbeiten in den unterschiedlichsten Positionen und in allen Branchen. Häufig werden sie im Controlling eingesetzt, wo sie die einzelnen Aktivitäten eines Unternehmens überwachen, aber auch im Marketing, im Vertrieb, in der Logistik sowie in der Projekt- und Produktionsplanung ist ihr Wissen gefragt. Man findet Informatiker in Softwarehäusern und in großen Konzernen. Die Umstellung auf E-Business, E-Finance und E-Government wird den Wirtschaftsinformatikern voraussichtlich neue Jobs in Wirtschaft und Verwaltung schaffen. Selbstständige können zum Beispiel virtuelle Lernmaterialien erstellen oder im Auftrag eines ausländischen Unternehmens eine Software an das deutsche Steuerrecht anpassen